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„Keine klare Verkehrsführung“

Zur Jahrtausendwende kam Jörg Röhrig als Student nach Bonn. Heute führt er den Radladen Hoenig & Röhrig in Bonn-Beuel. Im Radentscheid-Interview spricht er über die Probleme der Stadt, die Chancen, die das Fahrrad bietet und seine ganz persönliche Krise bei der Fahrt über den Bertha-von-Suttner-Platz.

Interview mit Jörg Röhrig, Geschäftsführer des Radladens Hoenig & Röhrig

Jörg Röhrig in der Werkstatt seines Radladens

Herr Röhrig, warum ist das Fahrrad die Lösung für die urbane Mobilität im 21. Jahrhundert?

Ich glaube das Fahrrad ist die Lösung für ganz viele Probleme. Es ist vergleichsweise schnell, ökologisch und leise, spart dabei Ressourcen, Platz und Nerven. Kurzum: Das Fahrrad ist einfach super. Ich radele jeden Tag von Vilich-Müldorf zu meinem Laden in Bonn-Beuel. Wenn ich da auf der Brücke über die Autobahn fahre, gucke ich runter in den Stau. Die stehen da jeden Morgen. Wenn ich doch mal mit dem Auto fahren muss, zum Beispiel um Räder zu transportieren, bin ich genervt. Früher, als ich noch in Lengsdorf gewohnt habe und einmal quer durch die ganze Stadt musste, war das die reinste Katastrophe.

Was muss sich ändern in Bonn? Immerhin hatte die Stadt sich dereinst auf die Fahnen geschrieben, Fahrradhauptstadt 2020 werden zu wollen.

2020 haben wir ja jetzt. Aber in den 20 Jahren, die ich jetzt in Bonn bin, hat sich nur sehr wenig getan. Das ist echt erschreckend. Es gibt so viele Planungsfehler. Radwege, die einfach aufhören, Passagen, wo man plötzlich absteigen oder einen Umweg fahren muss, Hindernisse wie nicht abgesenkte Bordsteine, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Es gibt einfach keine klare Verkehrsführung für Fahrräder, keine vernünftigen, durchgängigen Routen. Mein Weg von Zuhause zum Laden ist zum Beispiel reinstes Stückwerk. Eigentlich sehe ich immer wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs bin die schlechte Infrastruktur.

Wenn Sie das jetzt seit 20 Jahren verfolgen, schwingt da dann irgendwann auch Frust mit?

Ein bisschen vielleicht. Am Anfang war es ja auch gar nicht so schlecht. Ich komme aus Aachen. Als ich da weg bin, war da alles viel schlechter als hier. Da gab es quasi gar keine Radwege. Aber seitdem hat sich eben auch in Bonn gefühlt fast nichts getan. Irgendwie gewöhnt man sich dran, aber wenn man darauf achtet, fällt das schon stark auf. Ich bekomme zum Beispiel jedes Mal die Krise, wenn ich mit dem Rad über den Bertha-von-Suttner-Platz fahren muss. Der Stadtplaner, der sich die Verkehrsführung ausgedacht hat …

Sie sind schon von Berufs wegen recht aktiv in der Szene, zum Beispiel am letzten Freitag im Monat bei der Critical Mass. Haben Sie das Gefühl, dass sich die Stimmung in der Gesellschaft in den letzten Jahren Richtung Fahrrad dreht?

Ehrlich gesagt bin ich da gar nicht so sicher. Es wurde schon immer viel Rad gefahren in Bonn. Wenn heute mehr Radfahrer unterwegs sind, dann wohl vor allem, weil mehr Leute in Bonn wohnen als vor 20 Jahren. Aber es sind auch definitiv mehr Autofahrer unterwegs. Die Stadt wird nicht größer, sondern einfach nur enger. Allerdings habe ich schon das Gefühl, dass die Radfahrer sich heute besser organisieren. Und sie nehmen es nicht mehr einfach hin, dass sich die Situation nicht verbessert. Es gibt mehr Menschen, die sich kritisch äußern und die das Thema Fahrrad nach vorne bringen wollen. Das beweist ja nicht zuletzt die Bewegung um den Radentscheid Bonn.

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