Schlagwort: Radroute

  • Mehr Platz fürs Rad auf der Oxfordstraße

    Mehr Platz fürs Rad auf der Oxfordstraße

    Ausgangspunkt für die Umgestaltung war die notwendige Oberflächensanierung auf dieser vielgenutzten innerstädtischen Verbindung. Das nutzten Stadtrat und Verwaltung, um eine Neuverteilung der Fahrbahnen zu planen. Gehwege und Straßenbahngleise blieben unangetastet. 

    Die Neuaufteilung der Fahrspuren ergab sich zum einen aus den Anforderungen der aktuellen Regelwerke. Zum anderen wurde sie durch das politische Ziel der Mobilitätswende und dem beschlossenen Radentscheid mit seinen Anforderungen an bauliche Standards bestimmt. Durch die Wegnahme einer Fahrspur für den motorisierten Individualverkehr ergab sich der Raum, um für Fahrrad und ÖPNV bessere Bedingungen zu schaffen. Die Situation, wie sie bis dahin war, war für Radfahrende schlicht unerträglich. Im Auto- und Busverkehr bei wechselnden Spurbreiten, Ampelstaus und Liefertätigkeiten mitzuschwimmen, war nur etwas für Geübte und Mutige. Jetzt stehen teilweise breite Radfahrspuren und gemeinsame Bus-Fahrradspuren, sogenannte Umweltspuren, zur Verfügung. 

    Neue Fahrradspur Bonn Am alten Friedhof

    Unsere Forderung nach durchgängigen, vom motorisierten Verkehr getrennten, Radwegen ließ sich leider nicht überall umsetzen. Aber es ist klar: Diese Umwidmung hat für uns eine erhebliche Verbesserung ergeben. Es gibt wohl keine Beschwerden seitens der Radfahrenden. Wer sich für die Führungsformen und deren Einordnung im Detail informieren will, kann gerne den Blogartikel von Martin Ueding dazu lesen. Martin ist mit uns aktiv beim Radentscheid.

    Die Oxfordstraße zeigt exemplarisch, wie die Stadtverwaltung aktuell mit dem Radentscheid umgeht. Durch den Beschluss ist klar, dass Radfahren in der Stadt einfacher und sicherer werden soll. Daher wird überall dort, wo Straßen oder Kanäle saniert werden müssen, wenn möglich neue Radinfrastruktur geplant. Aber wie steht es um eine Durchgängigkeit? Was nutzen 600 m gute Radwege, wenn es davor und dahinter nicht sinnvoll weitergeht? Gerade bei der Oxfordstraße muss man sich diese Frage wirklich stellen.

    Der Blick auf den Stadtplan macht klar, dass für eine Ost-West-Verbindung durch die Innenstadt diese nach dem 2. Weltkrieg geschaffene Schneise fast alternativlos ist. Es braucht eine Verbindung von Beuel über den Rhein, den Suttnerplatz und die Oxfordstraße in Richtung Endenicher Straße und in die westlichen Stadtteile. Daher kann man die Oxfordstraße nicht bewerten ohne den Bertha-von-Suttner-Platz und die Rampe zur Kennedybrücke. Gerade der Suttnerplatz ist dabei für viele Radfahrende ein Angstraum. Die Radspur in Mittellage zwischen Bussen, die von rechts nach links und Autoverkehr, der von links nach rechts über die Radspur wechseln muss, ist bei der Fahrt in Richtung Rhein eine echte Herausforderung und hält viele Radfahrende von der Nutzung dieses Bereichs ab. Diese Radverkehrsführung ist fern jeglicher Radentscheid-Standards. Die Alternative über die Friedrichstraße ist in Wirklichkeit keine, da es dort zu Konflikten mit dem Fußverkehr kommt und keine Durchgängigkeit gegeben ist.

    Gefährliche Situation auf der Radspur am Bertha-von-Suttner-Platz in Bonn

    In Richtung Westen sieht es kaum besser aus: Lediglich ein Schutzstreifen, der effektiv keinen Schutz bietet, steht zur Verfügung. Rechts parken Taxis ein und aus, Busse wechseln auf die Haltestelle und viele Autofahrenden biegen über den freien Rechtsabbieger in die Kölnstraße ab. Dazwischen ist höchste Konzentration und defensive Fahrweise angesagt. Wenn man will, dass viele Radfahrende die Oxfordstraße nutzen, muss der Bertha-von-Suttner-Platz unbedingt umgestaltet werden. Aus dem Stadthaus hören wir, dass die Planung dafür läuft. Dabei ist auch hier die Reduktion der Fahrspuren für den Autoverkehr im Gespräch. Man merkt, dass die Mobiltätswende und der Radentscheid in der Verwaltung angekommen sind. Wir sind gespannt auf neue Pläne im Jahr 2023.

    Am anderen Ende der Oxfordstraße gibt es zwei wichtige Anbindungen. Zum einen wird die Bornheimer Straße verkehrsberuhigt umgebaut und könnte so zu einer guten Verbindung zur erneuerten Viktoriabrücke werden. Viel wichtiger erscheint uns aber eine direkte Verbindung Richtung Musikerviertel und Endenich durch eine verbreiterte Viktoria-Bahnunterführung zwischen Am alten Friedhof und Endenicher Straße. Auch hier soll 2023 der Umbau beginnen. Allerdings sprechen wir nicht von einer breiten, freundlichen Unterführung, wie man sie aus den Niederlanden oder den skandinavischen Ländern kennt. Solche Unterführungen könnte man angstfrei durchfahren. Hier ist, da ein kompletter Neubau ungleich aufwändiger und langfristiger wäre, leider nur eine Verdopplung des bisher viel zu schmalen Durchgangs vorgesehen. (Die Pläne sind hier einzusehen)

    Planung Viktoria-Bahnunterführung Bonn

    Zudem ist die geplante Anbindung der Unterführung, insbesondere Richtung Oxfordstraße, bei dem Kreisel Am alten Friedhof aus Sicht des Radverkehrs unakzeptabel. Hier soll man über acht Fahrbahn-Querungen um den Kreisel fahren, um zur Radspur Richtung Stadthaus zu kommen. Es wäre wünschenswert, wenn man das nochmal überdenken könnte. In Richtung Westen sind bei der Ausfahrt 90°- und 180°-Biegungen zu bewältigen, was eine leichte und flüssige Durchfahrung behindert und mit Anhängern und Lastenrädern zu Problemen führt. Insgesamt steht für den Rad- und Fußverkehr hier zu wenig Platz zur Verfügung, was absehbar zu Konflikten führen wird. Das was hier gebaut wird, würde man sich gemäß der Idee, den Fahrradverkehr entscheidend zu fördern, leider völlig anders wünschen. Bisher wurde nur die Vorplanung beschlossen. In der noch zu erstellende Ausführungsplanung könnten die oben genannten Aspekte nochmal überprüft und ggf. verbessert werden.

    Schaut man sich die Route im weiteren Verlauf an, bleiben weitere Fragezeichen. Wie könnte hier eine durchgängige Ost-West-Verbindung entstehen, die von vielen genutzt wird, weil sie sicher und einfach ist? Leider ist auch nach fast zwei Jahren Umsetzungszeit des Radentscheids noch nichts Substanzielles beschlossen: Es fehlt ein klarer, von den politischen Instanzen beschlossener Plan der Hauptrouten durch die Stadt. Darauf zielt die erste Forderung des Radentscheids. Ziel ist ein durchgängiges Routennetz, das alle Stadtteile miteinander verbindet. Wir werden nicht müde, die Routenplanung in den Treffen mit der Stadt wieder und wieder einzufordern.

    Neue Fahrradspur Oxfordstraße Bonn

    Unser Fazit zur Oxfordstraße hat also zwei Seiten: Auf der einen Seite ist es in unseren Augen definitiv ein großer Schritt, an dieser Problemstelle dem Radverkehr eine solche Verbesserung zu geben. Auf der anderen Seite können wir angesichts der Größe der Aufgabe und der begrenzten Zeit, die für die Umsetzung des Radentscheids zur Verfügung steht (nur fünf Jahre), mit dem Fortschritt nicht zufrieden sein. Es braucht dringend beschlossene Hauptrouten, einen Handlungsplan für deren Umsetzung und eine zügige Komplettierung dieser wichtigen Ost-West-Verbindung mit einem durchgängig hohen Qualitätsstandard der Radführung. Da das Fahrradteam im Stadtplanungsamt in diesem Jahr deutlich gewachsen ist und engagiert an der Radverkehrsförderung arbeitet, haben wir Hoffnung, dass es gelingen kann. Wir bleiben dran.

    geschrieben von Steffen

  • Stellungnahme zur Diskussion um die Rheinauenradwege

    Stellungnahme zur Diskussion um die Rheinauenradwege

    Zentraler Teil des Radentscheids ist die Forderung nach einem durchgehenden Radwegenetz. Die Radwege auf beiden Seiten des Rheins gehören seit Jahrzehnten dazu und sind sowohl innerstädtisch als auch touristisch von großer Bedeutung. Nur wenige Städte haben ein Flussufer, das auf solch großer Länge fast komplett autofrei ist. Viele Menschen erschließen es sich mit dem Fahrrad. Die Radwege am Rhein sind eine wichtige Achse im Fahrradnetz von Stadt und Land.

    Die Konfliktsituationen auf der Strecke entstehen bei intensiver Freizeitnutzung und insbesondere an Nachmittagen und Wochenenden mit Sonnenschein. Hier zeigt sich, dass die Fläche für Familien, die auf dem Rad unterwegs sind, aber auch für Räder mit Anhängern und größere Gruppen viel zu schmal sind. Insbesondere Kinder sind gefährdet, weil die Wegbreite und der Verkehr schon kleine Fahrfehler zur großen Gefahr werden lassen. 

    Wir begrüßen den Plan, diesen Radweg mit Fördermitteln, die den Umstieg auf das Fahrrad unterstützen wollen, zu verbreitern. Eine kreuzungsarme und abseits des Autoverkehrs verlaufene Radroute ist positiv für die Pendler:innen. Der größte Nutzen durch eine Verbesserung der Strecke entsteht in unseren Augen aber für die Freizeit- und die wenig geübten Radfahrer:innen. Sie können wieder erleben, wie viel Freude mit dem Radfahren auf dieser einmalig schönen Strecke verbunden sein kann.

    Bei der Umsetzung des Radentscheid und für die Verbesserung der Rad- und Fußwege müssen wir uns auf die Expertise der Verwaltung verlassen. Uns erscheint es nicht in allen Punkten nachvollziehbar, welcher Baum für den sicheren und besseren Radweg fallen muss. Eine auf 3 m reduzierte Breite auf kurzen Strecken wäre als Kompromiss sicher akzeptabel. Auch wir finden die mit Bäumen durchsetzte Parklandschaft wertvoll und begrüßen die geplanten Ersatzpflanzungen. 

    Bei der laufenden Umwelt-Diskussion sollte man sich aber klarmachen, dass ein sparsames Auto (120g CO2je km) mit einer mittleren Jahresleistung (10.000 km) alleine je nach Berechnung zwischen 50 und 100 große Bäume (12 – 25 kg C02 pro Jahr) zur Kompensation des ausgestoßenen CO2 benötigt. Das soll die Fällung von Bäumen nicht banalisieren, sondern zeigt, welchen großen Effekt die Verlagerung von Autostrecken auf das Fahrrad für unsere Klimabilanz hat. Dafür brauchen wir gute und sichere Radwege.

    Wir wünschen uns in der Diskussion den Blick auf den Nutzen, den eine sehr gute Infrastruktur abseits des Autoverkehrs unserer Stadt bringen wird. Wir können uns nicht alle gleichzeitig mit immer größeren Autos auf dem immer enger werdenden städtischen Raum bewegen. Nur ein großer Radverkehrsanteil in Bonn wird in Zukunft Individualverkehr, Bewegungsfreiheit und Lebensräume für alle ermöglichen. Die Umsetzung des Radentscheids ist in unseren Augen ein wesentlicher Schritt dorthin. 

    Die Ertüchtigung der Rheinradwege ist eine notwendige Anpassung, um das Fahren auf diesen gern genutzten Strecken sicherer zu machen. Nach dem Einspruch aus Köln muss jetzt für die linksrheinische Strecke eine Lösung mit weniger Umweltbeeinträchtigung gefunden werden. Der Disput darum sollte uns aber nicht von dem breiten Konsens über die Notwendigkeit einer neuen Mobilität, der sich in den letzten Kommunalwahlen manifestiert hat, ablenken.