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Stellungnahme zur Diskussion um die Rheinauenradwege

Die Radwege in der Rheinaue sollen laut eines Beschlusses des von CDU und Grünen geführten Stadtrats aus dem Jahr 2019 verbreitert werden. Jeder Radfahrer, der dort unterwegs ist, weiß um die Notwendigkeit, denn die bestehenden Wege sind teilweise viel zu schmal und damit gefährlich. Dieser Beschluss ist lange vor der letzten Kommunalwahl und dem Radentscheid gefasst worden. Trotzdem tangiert er unsere Interessen.

Zentraler Teil des Radentscheids ist die Forderung nach einem durchgehenden Radwegenetz. Die Radwege auf beiden Seiten des Rheins gehören seit Jahrzehnten dazu und sind sowohl innerstädtisch als auch touristisch von großer Bedeutung. Nur wenige Städte haben ein Flussufer, das auf solch großer Länge fast komplett autofrei ist. Viele Menschen erschließen es sich mit dem Fahrrad. Die Radwege am Rhein sind eine wichtige Achse im Fahrradnetz von Stadt und Land.

Die Konfliktsituationen auf der Strecke entstehen bei intensiver Freizeitnutzung und insbesondere an Nachmittagen und Wochenenden mit Sonnenschein. Hier zeigt sich, dass die Fläche für Familien, die auf dem Rad unterwegs sind, aber auch für Räder mit Anhängern und größere Gruppen viel zu schmal sind. Insbesondere Kinder sind gefährdet, weil die Wegbreite und der Verkehr schon kleine Fahrfehler zur großen Gefahr werden lassen. 

Wir begrüßen den Plan, diesen Radweg mit Fördermitteln, die den Umstieg auf das Fahrrad unterstützen wollen, zu verbreitern. Eine kreuzungsarme und abseits des Autoverkehrs verlaufene Radroute ist positiv für die Pendler:innen. Der größte Nutzen durch eine Verbesserung der Strecke entsteht in unseren Augen aber für die Freizeit- und die wenig geübten Radfahrer:innen. Sie können wieder erleben, wie viel Freude mit dem Radfahren auf dieser einmalig schönen Strecke verbunden sein kann.

Bei der Umsetzung des Radentscheid und für die Verbesserung der Rad- und Fußwege müssen wir uns auf die Expertise der Verwaltung verlassen. Uns erscheint es nicht in allen Punkten nachvollziehbar, welcher Baum für den sicheren und besseren Radweg fallen muss. Eine auf 3 m reduzierte Breite auf kurzen Strecken wäre als Kompromiss sicher akzeptabel. Auch wir finden die mit Bäumen durchsetzte Parklandschaft wertvoll und begrüßen die geplanten Ersatzpflanzungen. 

Bei der laufenden Umwelt-Diskussion sollte man sich aber klarmachen, dass ein sparsames Auto (120g CO2je km) mit einer mittleren Jahresleistung (10.000 km) alleine je nach Berechnung zwischen 50 und 100 große Bäume (12 – 25 kg C02 pro Jahr) zur Kompensation des ausgestoßenen CO2 benötigt. Das soll die Fällung von Bäumen nicht banalisieren, sondern zeigt, welchen großen Effekt die Verlagerung von Autostrecken auf das Fahrrad für unsere Klimabilanz hat. Dafür brauchen wir gute und sichere Radwege.

Wir wünschen uns in der Diskussion den Blick auf den Nutzen, den eine sehr gute Infrastruktur abseits des Autoverkehrs unserer Stadt bringen wird. Wir können uns nicht alle gleichzeitig mit immer größeren Autos auf dem immer enger werdenden städtischen Raum bewegen. Nur ein großer Radverkehrsanteil in Bonn wird in Zukunft Individualverkehr, Bewegungsfreiheit und Lebensräume für alle ermöglichen. Die Umsetzung des Radentscheids ist in unseren Augen ein wesentlicher Schritt dorthin. 

Die Ertüchtigung der Rheinradwege ist eine notwendige Anpassung, um das Fahren auf diesen gern genutzten Strecken sicherer zu machen. Nach dem Einspruch aus Köln muss jetzt für die linksrheinische Strecke eine Lösung mit weniger Umweltbeeinträchtigung gefunden werden. Der Disput darum sollte uns aber nicht von dem breiten Konsens über die Notwendigkeit einer neuen Mobilität, der sich in den letzten Kommunalwahlen manifestiert hat, ablenken.

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